Montag, 16. April 2018

Der Westen liegt im Abendland - Vortragsankündigung

Weil er in christdemokratischen Kreisen der frühen Bundesrepublik als Chiffre für die klammheimliche Eskamotierung jüdischer Tradition aus der westlichen Ideen- und Institutionengeschichte fungierte, gilt der Begriff des Abendlandes heutzutage als Synonym für christliches Dominanzgebaren. Indessen war schon Spenglers Beschwörungsformel vom Untergang des Abendlandes zweideutig: Warnung vor Dekadenz und kaum verhohlener Wunsch, dass es mit der jüdisch-christlichen Zivilisation endgültig ein Ende haben möge. Wo heute die Sprachrohre der Zivilgesellschaft qua Verteidigung von „Religionsfreiheit“ ausgerechnet den Islam hofieren – die einzige „Religion“ also, die jene Verinnerlichung und Privatisierung des Glaubens, die aus dem Bekenntnis eine Konfession macht, bis heute nicht nur nicht zu leisten vermag, sondern aggressiv verweigert –, wird unter dem Deckmantel der Verteidigung einer bürgerlichen Ordnung, die der Islam vernichten will, Spenglers Untergangsbesoffenheit erneut eingeübt.

Diesem Bedürfnis nach Selbstorientalisierung des Okzidents hält der Vortrag entgegen, dass keine Verteidigung des Westens ohne Verteidigung des Abendlandes auskommt, weil westlicher Säkularismus und Verinnerlichung des Glaubens zur Privatsache der Einzelnen Leistungen der großen abendländischen Religionen gewesen sind, denen der Islam, für den Glaubensbekenntnis und barbarische Tat zusammenfallen, den Kampf ansagt. Eben deshalb ist Islamkritik keine Variante von Religionskritik, sondern Verteidigung jüdisch-christlichen Denkens gegen eine Form des Bekenntnisses, das es bis heute nicht dazu gebracht hat, Theologie zu werden, das heißt: seine eigene Beschaffenheit zum Gegenstand von Reflexion und Kritik zu erheben. Mit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung wäre die nachbürgerliche Gesellschaft daran zu erinnern, dass bürgerliche Souveränität und positive Rechtsordnung im theologisch interpretierten Naturrecht gründen, um ihrem Begriff zu entsprechen: „Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräußerlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freyheit und das Bestreben nach Glückseligkeit.“ Indem das sich als besonders aufgeklärt und westlich gebende Ideal „laizistischer Neutralität“ und „Gleichbehandlung aller“ ungleichen „Religionen“ diesen Konstitutionszusammenhang verdrängt, spielt es der Islamisierung in die Hände.