Freitag, 9. März 2018

Frankfurter Zustände oder: die verfolgende Unschuld

Gut, dass es angesichts der allgemeinen "kapitalistischen Kälte" wenigstens in Frankfurt noch genügend Wärme gibt, einander die Wunden zu lecken und im Kampf gegen "die mächtigsten und bösesten Männer der Welt" (Rose McGowan) zusammenzuhalten...

LINKE LISTE FRANKFURT auf Facebook:

Unter dem Titel "Asexuelle Belästigung" haben David Schneider und Thomas Maul in der aktuellen Bahamas einen Versuch unternommen, sich mit der #Metoo-Debatte auseinanderzusetzen. Diese Auseinandersetzung ist zweifelsohne geboten, wenn sich (in sozialen Medien) ein Mob zu formieren beginnt, der Selbstjustiz für das Mittel der Wahl hält.

Dagegen auf die zivilisatorische Rolle des Strafrechts zu verweisen, scheint erst einmal löblich; bei dieser Dichotomie stehen zu bleiben ist hingegen intellektuell nicht nur unredlich, sondern reaktionär. In keinem Moment nähert sich der vorliegende Text auch nur der Frage danach, ob bspw. zwischen dem bürgerlichen Recht und dem moralisch imprägnierten Mob eine Beziehung bestehen könnte. Mit derlei Grundüberlegungen der Ideologiekritik möchte sich der Text allerdings auch nicht aufhalten, weil sich sein ganzer Furor an der Diffamierung einer Genossin entzündet. Die, nach eigenem Bekunden, emanzipatorischen Ziele der Autoren, werden gänzlich von ihrem in Raserei umschlagenden Text absorbiert. Damit verschreiben sie sich expressis verbis der Irrationalität, die es zu bekämpfen gilt. Es bleibt die schockierend misogyne Sprache – als scheinbarer Einspruch in die bestehenden Verhältnisse verkleidet, welche sich für die Autoren in einer Genossin personifizieren. Die patriarchale Rhetorik, mit der sich die beiden Männer dabei über all das hinwegsetzen, was die kapitalistische Ideologie der Kälte an Leid und Unterdrückung universell gegenüber LGBTQI* produziert, ist ein Verrat gegenüber jedwedem feministischen Projekt, welches die universelle Emanzipation aller Unterdrückten zum Ziel hat.
Wir solidarisieren uns mit unserer Genossin Veronika Kracher die im Fokus der verächtlichen, frauenfeindlichen und pathologisierenden Hetze steht.