Freitag, 27. Juli 2018

David Schneider: Weil die Emanzipation der Frau gegen ichschwache Heulsusen verteidigt gehört

Aus dem feministischen Flügel des antideutschen Patientenkollektivs kommen seit Erscheinen des MeToo-Textes vom März 2018 (Schneider/Maul, Bahamas 78) anhaltend die Vorwürfe, wir hätten – vom Szeneslang frei ins Deutsche übersetzt − ein Problem mit Frauen, Angst vor weiblicher Souveränität und verspürten die versteckte, aber nichtsdestotrotz drängende Lust, die Kritisierten zum Schweigen zu bringen, weil wir, so etwa publizierte eine besonders hart Getroffene tatsächlich und im Ernst ihre feuchten Träume, einzig an Blowjobs von ihnen Interesse hätten. Wir seien, zusammengefasst: zynisch, frauenfeindlich und sexualisiert bis zum Anschlag, also mental kurz vor Elsässer, und in der Praxis auf dem Weg, der nächstbesten antideutschen Blowjobkünstlerin ungefragt an den Arsch zu langen, weshalb es sich für Frauen, Feministinnen und Männer, die ihre Privilegienkritik ernstnehmen, verböte, weiterhin mit uns Bier zu trinken - als könnten solch verzweifelten Appelle unter zurechnungsfähigen Erwachsenen verfangen, wo jeder weiß, dass es die Emanzipation der Frau als Voraussetzung einer Versöhnung des Geschlechterverhältnisses untergräbt, wenn man ostentativ zur Schau gestellte Geistlosigkeit und schlechte Manieren als feministische Theorie und Praxis ausgibt.


Zu alledem daher nur 6 kleine Anmerkungen:

1.) Die von uns allein aufgrund ihrer symptomatischen Textproduktionen genannten „politisch“ aktiven Personen, die sich nach der ganz offenkundig notwendigen Kritik endgültig in aggressiv herumopfernde Heulsusen verwandelt haben, denen gegenüber eine gewisse Gegnerschaft durchaus angebracht ist, mit Frauen im Allgemeinen zu verwechseln, ist schlichtweg eine Frechheit gegenüber allen einigermaßen normalen Frauen, die ihre Sorgen und Nöte nicht andauernd genauso anerkennungsgeil wie verfolgungswahnsinnig zu einem Politikum aufblasen.

2.) Was wir kritisiert haben, ist keinesfalls irgendeine Stärke oder Autonomie von Frauen, die wir selbstredend explizit einfordern, sondern das subjektiv aufdringlich-schamlose und objektiv bemitleidenswerte Hausieren mit der eigenen Schwäche.

3.) Dass die getroffenen Szene-Frauen, die für gewöhnlich so reizvoll sind wie 100 Jahre Antiimperialismus, denken, dass man sich ausgerechnet sie zu einem romantischen Abend dazu oder gleich ins Bett hinein wünscht, spricht immerhin für noch vorhandene Ansätze eines stabilen Selbstbewusstseins.

4.) Dass wir zur großen Empörung positivistisch konstatiert haben sollen, dass bestimmte Frauen "gar kein gesteigertes Interesse am Erwerb der Fähigkeit hegen, Männer, sei es sexuell oder gar intellektuell, zu befriedigen", ist weniger spektakulär als es bei einigen anscheinend gewirkt hat. Entweder man teilt die Auffassung insgeheim, findet es aber unpassend, dass es so deutlich ausgesprochen wird. Oder man findet es bereits unverschämt, dass Frauen, die immer nur kränkelndes Opfer sein sollen, als sexuell Aktive betrachtet und angesprochen werden, die in eine heterosexuelle Beziehung auch die Bereitschaft und Fähigkeit mitzubringen haben, zum beiderseitigen Lustgewinn beizutragen. Man sollte annehmen, dass eine solche Banalität, die selbstverständlich auch für Männer gilt, heute, da man sich auf die Freiheit von Verklemmtheit doch so viel einbildet, keinen mehr schockiert. Dies ganz abgesehen davon, dass es sich beim inkriminierten Satz in seinem Kontext um einen spekulativen Erklärungsversuch für das Phänomen handelt, dass viele den gegenseitigen Machtgebrauch im sexuellen Verhältnis von Lehrenden und Lernenden, Regisseuren und Schaupielerinnen etc. nur noch als einseitig männlichen Machtmissbrauch denken können.

5.) Der Zweck all der erregten Mitteilungen besteht wohl darin, uns in ungewollt komischer Weise schlechtzureden, was aufgrund des bisher Gesagten ja durchaus nachvollziehbar ist. Dazu nur ein kleiner Tipp: dieser Move ist strategisch gar nicht mal so klug. Es gibt Frauen (und Männer), die böse Menschen, die von vielen Spinnern exzessiv gehasst und hysterisch verflucht werden, mitunter spannender finden als die lächerlichen Vorwürfe, die gegen sie im Raum stehen.

6.) Es ist jenes ganze Elend der getriggerten Idiotinnen von ihnen selbst öffentlich gemacht worden, das sonst, also dann, wenn wir etwas freundlicher formuliert hätten, womöglich im Verborgenen geblieben wäre. Und was will man im Sinne der Aufklärung über einen Gegenstand mehr?