Mittwoch, 19. Dezember 2018

Horst Pankow - am 28. August - über "Chemnitz"

Manch einer mag das am 28. August (!) von NetLuke geführte und auf Facebook veröffentlichte Interview mit Horst Pankow zu „Chemnitz“ seinerzeit gelesen haben. Selbst in dem Fall lohnte sich eine erneute Lektüre aus historischem Abstand und in Kenntnis meiner akribischen Rekonstruktion der betreffenden Vorgänge in der aktuellen BAHAMAS.

Denn es zeigt sich, dass noch die etwaigen Verdienste einer „positivistischen Diskursanalyse“, deren Schwäche von Vornherein darin besteht, der verbreiteten Huberei um Fakten- und Faktenchecks nichts Substantielles entgegen zu setzen, für einen Verfall des politischen Urteilsvermögens stehen.


Hatte ich meinen Lesern am 28. August immerhin geraten, sich von der Empörungsindustrie um Chemnitz nicht verrückt machen zu lassen (hier), wartete Horst Pankow bereits zu dem Zeitpunkt mit einer ausführlichen Einordnung des Geschehens auf, die deshalb ins Schwarze treffen konnte, weil es grundsätzlich nie um die Fakten selbst sondern immer ihre Deutung geht, darum, noch spärlichste Informationen gegen den Strich und zwischen den Zeilen zu lesen.

Soll heißen, dass man mittels erfahrungsgesättigter Spekulation und Intuition, geistiger Beweglichkeit, Klugheit und Mut von Anfang an hätte wissen oder mindestens ahnen und auch aussprechen können, was in „Chemnitz“ tatsächlich passierte. Insofern ist das Interview ein ideologiekritisches Lehrstück, für dessen Aufführung man Horst Pankow und NetLuke gar nicht genug danken kann.

Ad-hoc-Interview mit Horst Pankow zu den Ereignissen in Chemnitz


Geführt am Dienstag, den 28. August 2018, 22.00 Uhr
(*es wurde auf jeden lektorierenden Eingriff ins Dokument verzichtet)

NL: Was sagst du zu den Ereignissen am Sonntag und am Montag in Chemnitz?

Horst Pankow: Ich glaube, dazu gibt es gar nicht soviel zu sagen, zur Zeit sieht alles so aus als liefe das Ganze nach bekanntem Muster ab. Ja, ein Mann wird erstochen, weil er die falsche Hautfarbe hat. Dann gehen zunächst seine Freunde aus Protest gegen diesen rassistischen Mord, diesen barbarischen Akt, auf die Straße. Und protestieren lautstark. Andere schließen sich ihnen an, organisierte Politicos versuchen einen Gewinn aus der Unruhe zu ziehen. Wie immer in solchen Situationen schaltet der Staat sich ein und schickt seine Polizeitruppen gegen die Protestierenden. Nur wenig später werden sich auch die nicht bewaffneten Staatsschützer in Form der Qualitätsmedien zum Einsatz melden. Auch diese Leute werden nichts wirklich Neues veröffentlichen. Sie tun ihre Arbeit und das heißt, sie verdrehen und schreiben die ganze Geschichte im Sinne tagespolitischen Staatsinteresse um.

NL: Aber war dieses Mal wirklich alles wie gehabt? Schließlich waren doch die Protestierenden, laut dem, was man aus den Qualitätsmedien erfährt, Nazis und Rassisten. Wie geht das mit deiner Schilderung zusammen?

HP: Nun, wäre der Mann mit der falschen Hautfarbe von deutschen Stiefelnazis erstochen worden, dann wäre gewiß auch eine solche Unruhe zu verzeichnen. Menschen würden auf die Straße gehen, Politiker würden sie instrumentalisieren, die Polizei und die Qualitätsmedien würden ihre Arbeit verrichten. Nur in diesem Fall war etwas anders. Die Mörder waren nämlich keine deutschen Stiefelnazis, sondern arabische Muslime. Und die stehen in diesem Land bekanntlich unter Regierungsschutz, diese Leute sind quasi sakrosankt. Es ist die Arbeit der Qualitätspresse und der anderen Qualitätsmedien, die alltäglichen Erfahrungen, die gewöhnliche Menschen tagein-tagaus mit einer neuen Herrenmenschenschicht aus dem islamischen Bereich machen müssen, umzuschreiben in eine angebliche Islamophobie, der sich die armen Muslime ausgesetzt sehen und deren Anhänger sie rassistisch diskriminieren wollen. Im Falle der Chemnitzer Ereignisse waren es die falschen Täter. Es waren aber wahrscheinlich die gleichen Demonstranten, die auch in dem anderen Fall auf die Straße -gegangen wären, nur richtete sich diesmal ihr Zorn gegen die falschen, weil muslimischen Täter. Deshalb konnten sie in der Einschätzung der Qualitätspresse nur Faschisten, Rassisten und anderes Untermenschentum, über das auch eine volksgemeinschaftliche Demokratie verfügt, repräsentieren.

NL: Aber kann man denn wirklich davon ausgehen, daß die Messerstecher von Chemnitz aus bekannten rassistischen Gründen gehandelt haben?

HP: Bis zur Erhärtung einer anderslautenden Erklärung, etwa es habe sich um eine Auseinandersetzung unter Zuhältern oder Drogendealern gehandelt, gehe ich erstmal von den bekannten rassistischen Motiven aus. Daß es sich bei den Tätern um Muslime handelt, bestärkt mich nur in meiner Auffassung, denn derzeit gibt es auf diesem Planeten kein rassistischeres Kollektiv als die im Namen des Islam Zusammengeschlossenen. Muslime, Aleviten möchte ich hier aber doch ausschließen, verachten in der Regel Menschen mit dunkler Hautfarbe. Für sie sind dies häufig "Nachkommen von Sklaven" und Sklaverei gilt als "unrein", das heißt nicht der Sklavenhalter sondern die Sklaven sind "unrein". Bis heute wird vielfach vergessen, welche unheilvolle Rolle der Islam bei der Schaffung, Verbreitung und Ausgestaltung des europäischen und amerikanischen Sklavensystems vom 17. bis ins 19. Jahrhundert spielte. Die versklavten Afrikaner wurden ihren weißen Sklavenhändlern und -haltern zumeist durch islamische Banden zugeführt, die auf eine Weise vorgingen wie bis vor einigen Jahren und möglicherweise bald wieder muslimische Menschenjäger im sudanesischen Dafur. Auch sollte man nicht vergessen, daß es die islamische Türkei war, die 1918 als letzter Staat auf der Erde mit dem Untergang des Osmanischen Reiches auch die Sklaverei untergehen ließ.

NL: Warum schweigt die antirassistische Linke deiner Meinung nach zu diesem rassistischen Mord.

HP: Nun, was sollen denn diese Leute auch anderes tun? Fast bin ich geneigt, die Angelegenheit ziemlich gelassen zu sehen. Irgendwie drängt sich mir hier das traditionell-linke Schema von korrupter Führerung und irgendwie anständig gebliebener Anhängerschaft auf. Wenn ich in den Qualitätsmedien die Äußerungen der derzeitigen antirassistischen Wortführer wie der Frau Kipping von der Linken und dieser Frau Göring-Eckhardt von den Grünen zur Kenntnis nehme, dann scheint es mir, als verkörperten diese Leute das absurde Szenario verselbständigter Identität. Diese Leute bestehen nur noch aus verbalen Identitätsversatzstücken, man fragt sich, ob das überhaupt lebendige Figuren aus einer wie immer gearteten Realität sind. Diese merkelistische Linke ist nur noch darauf versessen, ihren Platz am Katzentisch der demokratischen Volksgemeinschaft zu sichern und auszubauen. Deswegen klingen die Stellungnahmen dieser Linken und des Regierungssprechers nahezu identisch. Wenn man aber einmal mit der sogenannten Basis spricht, sieht die Sache schon anders aus. Gerade heute nachmittag war ich in einem bekannten linken Buchladen in Berlin und später mit einigen Freunden in einer der immer noch existierenden linken Szenekneipen. An beiden Orten waren die Chemnitzer Ereignisse natürlich auch Gesprächsthema. An beiden Orten konnte ich wieder einmal feststellen, daß diejenigen, die das sogenannte Fußvolk heutiger linker Politik darstellen, tatsächlich vielfach über einen größeren Realitätsbezug verfügen als ihre Anführer. Niemand machte sich in den Gesprächen, die ich führte, Illusionen über die An- und Absichten der geschätzten Messerträger. So gut wie alle wissen, daß mit diesen Leuten nicht gut Kirschen essen ist, man ihnen lieber aus dem Weg geht. Aber was soll man machen? Man hat sich selbst in eine Situation begeben, in der in der die Führung spricht oder anderen medialen Lärm veranstaltet und die liebe Basis dies zu schlucken hat und traditionelle Fußtruppenaufgaben übernehmen soll. Bezeichnenderweise funktioniert dieses Spiel in letzter Zeit aber nicht mehr so reibungslos. Das können selbst die Qualitätsmedien nicht verbergen. Bei den spektakulären Massenszenen am Montag in Chemnitz waren diejenigen, die sich über den rassistischen Mord empört zeigten, fünfmal so stark wie diejenigen, die sich aufgerufen fühlten und in der Tat hier auch aufgerufen waren, den Mord zu rechtfertigen und statt seiner den Protest zu denunzieren.

NL: Und die Perspektive, ich meine, was würdest Du den Leuten denn mit gesellschaftskritischer Absicht vorschlagen?

HP: Gar nichts. Im Moment können sie gar nichts tun. Gegen eine informelle Koalition aus Regierung, Qualitätsmedien, alter Linker und Islamisten kann eine kritische Minderheit wenig ausrichten. Sie können jetzt nur das tun, was radikalen Gesellschaftskritikern in solchen Situationen stets als letztes Refugium blieb, ein Refugium aus dem es freilich auch wieder herauszukommen gilt. Zunächst ist erst einmal angesagt, Ansätze von kritischer Selbstorganisation auszubauen, um nicht das dumme Modewort "Vernetzung" zu gebrauchen, sich hinzusetzen und gemeinsam zu überlegen, wie solche Situationen überhaupt zustande kommen. Was ist das überhaupt für eine Koalition, der man sich gegenüber ansieht? Von welchen Interessen werden ihre Akteure geleitet? Welche gesellschaftlichen Perspektiven schweben diesen Leuten von Merkel bis Kipping vor? Was versprechen sie sich davon, durch den verstärkten Ausbau eines autoritären islamischen Potenzials in dieser Gesellschaft erreichen zu können? Dies und die recht recht krass zutage tretende Diskrepanz zwischen Alltagserfahrungen mit dem autoritären Islam und dem offiziellen wie offiziösen islamophilen Geplapper bietet gute Möglichkeiten zu einer realen Erkenntnis der gegenwärtigen Situation und der daraus entstehenden Entwicklungen. Wenn man das erkannt hat, kann man irgendwann auch wieder die Frage nach effektivem Handeln stellen.